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FILMHAUS Nürnberg
im Künstlerhaus, Königstraße 93, 90402 Nürnberg

 

 HOMMAGE AN ANDRZEJ WAJDA      4.5. – 28.5.2017

 

Andrzej Wajda galt als der bedeutendste Regisseur in der Geschichte des polnischen Kinos. In seiner Heimat wurde er verehrt, auch das Ausland ehrte ihn gebührend: Im Jahr 2000 wurde er mit dem Ehren-Oscar ausgezeichnet, 2006 wurde ihm auf der Berlinale der Goldene Ehrenbär für sein Lebenswerk verliehen. Im Oktober 2016 ist Andrzej Wajda im Alter von 90 Jahren gestorben. Das Filmhaus Nürnberg widmet dem Altmeister eine umfassende Hommage, mit Filmen, die allesamt als Meilensteine der polnischen Kinematografie gelten.

Foto: Jan Graczynski

 

 

 

Do., 4.5.
um 19.15 Uhr

EINE GENERATION
Pokolenie , PL 1955, 91 Min., poln. OmeU, Regie: Andrzej Wajda, mit: Tadeusz Łomnicki, Urszula Modrzyńska, Tadeusz Janczar, Janusz Paluszkiewicz, Hanna Skarżanka u.a.

Andrzej Wajdas neorealistisch anmutender Debütfilm kreist um den jungen Stach, der sich 1944 einer polnischen Widerstandsgruppe anschließt, in deren Leiterin er sich verliebt. Als ein Mitglied der Gruppe einen deutschen Kommandanten erschießt, und im Warschauer Ghetto der Aufstand ausbricht, eskalieren die Ereignisse …

Im ersten Teil der Warschauer Trilogie porträtiert Andrzej Wajda eine Generation, die ihre Jugend dem antifaschistischen Widerstand opfert und von „Farben, Musik und Tanzen bis zum Umfallen“ nur noch zu träumen vermag. Wajda und die meisten seiner Mitwirkenden reflektieren dabei eigene Erfahrungen: „Wir wollten einen Film machen, der unsere Sprache spricht. Der Titel bezog sich auch auf uns, die wir damals alle um die 20 waren und allesamt Debütanten, darunter auch Roman Polanski, der zum ersten Mal im Film aufgetreten ist. Das war also eine Art Manifestation der neuen Generation der Filmemacher.“ Andrzej Wajda

Foto: © Studio Filmowe Kadr

   

Fr., 5.5.
um 19.15 Uhr

DER KANAL
Kanał
, Polen 1957, 91 Min., poln. OmeU, Regie: Andrzej Wajda, mit: Teresa Iżewska, Tadeusz Janczar, Wieńczysław Gliński, Tadeusz Gwiazdowski, Stanisław Mikulski u.a.

Warschau, Ende September 1944. Der Aufstand gegen die deutschen Besatzer nähert sich seinem Ende. Die Altstadt ist in den Händen der Deutschen; auf Befehl Hitlers wird sie später dem Erdboden gleichgemacht werden. Eine Widerstandsgruppe der polnischen Heimatarmee versucht, ihre Stellung in den Trümmern der Vorstadt zu behaupten. Als auch das nicht mehr gelingt, tauchen die vorwiegend jungen Leute in das unterirdische Kanalnetz Warschaus ab. Ein Irrweg durch expressionistisch ausgeleuchtete Kanalgänge beginnt, die Ausmaße eines dantesken Infernos annehmen. Andrzej Wajda selbst liefert den Hinweis auf Dante: Er lässt einen Widerstandskämpfer den Verstand verlieren und, Dante rezitierend, durch die Kanäle irren,: „Dort, wo wir tief unten stehen bleiben, sehe ich das Volk, verzerrt im schrecklichen Kanal, als ob der Schmutz aller Kloaken zusammengebracht wäre.“

Foto: © Studio-Filmowe-Kadr

   

So., 7.5.
um 19.15 Uhr

ASCHE UND DIAMANT
Popiół i diament
, Polen 1958, 97 Min., poln. OmeU, Regie: Andrzej Wajda, mit: Zbigniew Cybulski, Ewa Krzyżewska, Wacław Zastrzeżyński, Adam Pawlikowski, Bogumił Kobiela u.a.

Die Geschichte eines Bruderkriegs spielt sich innerhalb weniger Stunden am 8. Mai 1945, dem Tag der deutschen Kapitulation, ab. Der Krieg ist zu Ende, aber der Kampf um die Macht in Polen geht weiter. Der junge Maciek ist Soldat der Polnischen Heimatarmee. Er soll einen kommunistischen Funktionär liquidieren, doch ihm kommen Bedenken.

„Der Abschluss von Andrzej Wajdas gefeierter Trilogie über die Auswirkungen des Weltkriegs auf seine Generation spiegelt die existenziellen Ängste der 50er Jahre zurück in die Erschöpfung am Kriegsende. Mit barocker Wucht inszeniert, wird der Film noch befeuert vom Charisma des Hauptdarstellers Zbigniew Cybulski, der mit trendsettender Sonnenbrille den Hamlet-Zauderer als Hipster-Antihelden gab. Die Rebellenrolle in ASCHE UND DIAMANT machte ihn zum ‚polnischen James Dean‘“. Christoph Huber

Foto: © Studio-Filmowe-Kadr

   

Do., 11.5.
um 20.15 Uhr
&
Do., 18.5
um 20.15 Uhr

DANTON
Frankreich/Polen 1983, 136 Min., dF, Regie: Andrzej Wajda, mit: Gérard Depardieu, Wojciech Pszoniak, Patrice Chéreau, Angela Winkler, Bogusław Linda u.a.

Frankreich, Ende 1793: Die Revolution erreicht einen neuen, blutigen Höhepunkt. Die Jakobiner mit Maximilian Robespierre an der Spitze herrschen mit äußerster Brutalität. Auf der Guillotine rollen die Köpfe. Dem notleidenden Volk hat der Sturz der Monarchie aber nicht die erhofften Vorteile gebracht. Daraufhin tritt Georges Danton, Robespierres einstiger Weggefährte, wieder öffentlich in Erscheinung. Seine Popularität ist ungebrochen. Noch einmal versuchen Danton und Robespierre, ihre Spannungen zu beseitigen. Umsonst. Kurze Zeit später wird Danton auf Betreiben seines Gegners verhaftet. Vor dem Revolutionstribunal erhebt er ein letztes Mal seine Stimme ...

Nach Stanislawa Przybyszewskas Theaterstück „Die Affäre Danton“ über die Endphase der Französischen Revolution entwirft Andrzej Wajda mit Parallelen zum polnischen Kriegsrecht das Bild einer Terrorherrschaft durch das Revolutionstribunal von Robespierre, dem Danton und die Ideale der Revolution zum Opfer fallen.

Foto: © Concorde Film

   

Fr., 12.5.
um 19.15 Uhr

DIE UNSCHULDIGEN ZAUBERER
Niewinni czarodzieje
, Polen 1960, 83 Min., poln. OmeU, Regie: Andrzej Wajda, mit: Tadeusz Łomnicki, Krystyna Stypułkowska, Zbigniew Cybulski, Krzysztof Komeda, Roman Polański, Jerzy Skolimowski u.a.

Tagsüber arbeitet der Frauenschwarm Andrzej als Sportarzt für einen staatlichen Boxclub, abends vertreibt er sich die Zeit als Schlagzeuger in einer Jazzband oder geht in nächtlichen Streifzügen auf die hedonistische Suche nach Frauen. In einer Bar trifft er Magda. Die beiden verbringen gemeinsam eine Nacht, reden stundenlang miteinander, verstehen sich bestens, aber wagen es nicht, ihre wahren Gefühle zu zeigen. Kann aus ihrem Flirt dennoch so etwas wie Liebe werden?

Leichtfüßig und melancholisch hält Andrzej Wajda die verhaltene Aufbruchsstimmung einiger junger Nachtschwärmer fest, die unbekümmert und doch illusionslos durch das Warschau des Jahres 1960 streifen. Sein Film lebt ganz vom Atmosphärischen, von den urbanen und zwischenmenschlichen Schwingungen, in dem der Jazz eine zentrale Rolle spielt.

Foto: © Studio-Filmowe-Kadr

   

Sa., 13.5
um 17 Uhr

LEGIONÄRE
Popioły
, Polen 1965, 226 Min., poln. OmeU, Regie: Andrzej Wajda, mit: Daniel Olbrychski, Bogusław Kierc, Piotr Wysocki, Beata Tyszkiewicz, Pola Raksa u.a.

Europa zur Zeit der Napoleonischen Kriege. Der polnische Adlige Rafał Olbromski ist, fernab der großen Politik, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Rafał wird Freimaurer, zahlreiche Romanzen durchziehen sein Leben – bis er Krzysztof Cedro kennenlernt. Von der romantischen Hoffnung beflügelt, dass Napoleon den Polen und anderen unterdrückten Nationen Europas die Freiheit zurückgeben wird, treten beide in das napoleonische Heer ein. Der Krieg treibt sie jedoch auseinander …

Das monumentale historisches Fresko greift ein kollektives polnisches Trauma, jenen Augenblick der Geschichte auf, in dem Polen zwischen Preußen, Russland und Österreich aufgeteilt wurde. Für Wajdas Geschichtsbild ist LEGIONÄRE so etwas wie ein Schlüsselfilm. In seinem mehr als vierstündigen Epos, das den Glauben an ein unabhängiges Polen formuliert, wird eine Bilderfibel über das Grauen des Krieges aufgeblättert, wie sie von Francisco de Goya stammen könnte.

Die deutsche Kinofassung wurde um 64 Minuten gekürzt, das Filmhaus präsentiert die ungekürzte Originalfassung.

Foto: © ZEBRA Film Studio

   

So., 14.5.
um 19.15 Uhr

ALLES ZU VERKAUFEN
Wszystko na sprzedaż
, Polen 1968, 105 Min., poln. OmeU, Regie: Andrzej Wajda, mit: Beata Tyszkiewicz, Elżbieta Czyżewska, Andrzej Łapicki, Daniel Olbrychski, Witold Holtz u.a.

Ein aufnahmebereites Filmteam wartet vergeblich auf den Hauptdarsteller. Der Regisseur, seine Frau und seine Hauptdarstellerin, die Frau des Schauspielers, machen sich auf die Suche nach ihm, verfolgen seine Spuren zurück, bis sie aus dem Radio von seinem plötzlichen Unfalltod erfahren. Wie soll der Film nun weitergehen? Die Meinungen gehen auseinander …

ALLES ZU VERKAUFEN, eine Hommage an den unter ganz ähnlichen Umständen verunglückten Schauspieler Zbigniew Cybulski, ist gleichzeitig ein Film über Andrzej Wajda selbst. Sein vielfältiger, komplex strukturierter Film-im-Film, in dem sich verschiedene Ebenen der Erzählung kunstvoll überlagern, steht Federico Fellinis ACHTEINHALB näher als Truffauts DIE AMERIKANISCHE NACHT. Wajdas persönlichster Film ist „ein Essay über die Frage, wo das Leben aufhört und die Kunst beginnt, was filmische Wirklichkeit ist, und ob es möglich ist, aus der Kunst die eigenen Erfahrungen von Wirklichkeit, das eigene Leben hinauszudenken. Wajda stellt diese Fragen, die letztlich Fragen sind nach den Quellen, aus denen er seine Filme schöpft. Eine Antwort zu finden, überlässt er dem Zuschauer.“ Klaus Eder

Foto: © ZEBRA Film Studio

   

Sa., 20.5.
um 20.30 Uhr

OHNE BETÄUBUNG
Bez znieczulenia
, Polen 1978, 125 Min., poln. OmeU, Regie: Andrzej Wajda, mit: Zbigniew Zapasiewicz, Ewa Dałkowska, Andrzej Seweryn, Krystyna Janda, Emilia Krakowska u.a.

Der bekannte und erfolgreiche Journalist Jerzy Michałowski kehrt von einer Auslandsreise zurück und erfährt, dass seine Frau ihn verlassen hat. Er kann ihre Entscheidung nicht verstehen, geschweige denn sich mit ihr abfinden. Am Arbeitsplatz ändert sich täglich etwas. Der Kompetenzbereich des Endvierzigers wird immer mehr eingeengt. An der Universität muss er feststellen, dass sein Seminar vom Lehrplan gestrichen ist. Auch der Versuch, die Ehe zu kitten, scheitert. Der Scheidungsprozess ist eine Farce. Er erträgt die Flut von Schmähungen und Verleumdungen nicht, die sich über ihn ergießt und verlässt den Gerichtssaal. Wenig später ist Jerzy Michałowski tot. Selbstmord? Unfall? „Der Gasherd in der Wohnung war schon lange defekt“, weiß seine Frau zu berichten.

OHNE BETÄUBUNG zählt zu den wichtigsten Filmen des so genannten „Kinos der moralischen Unruhe“. Andrzej Wajda setzt sich darin kritisch mit der öden Wirklichkeit der Volksrepublik Polen Ende der 70er Jahre auseinander – dem Diktat falscher Ideale, dem Konformismus und der Mittelmäßigkeit. „OHNE BETÄUBUNG ist ein gespenstischer Film, ein Film vor der Revolution. Aber Wajdas kalte Wut sehnt diese Änderung schon herbei.“ Hans C. Blumenberg

Foto: © ZEBRA Film Studio

   

So., 21.5.
um 18 Uhr

DAS GELOBTE LAND
Ziemia obiecana
, Polen 1975, 170 Min., poln. OmU, Regie: Andrzej Wajda, mit: Daniel Olbrychski, Wojciech Pszoniak, Andrzej Seweryn, Anna Nehrebecka, Tadeusz Białoszczyński u.a.

Łódz um 1880. Die täglich anwachsende Textilmetropole zieht Abenteurer, Industrielle und Spekulanten an, so auch drei junge Freunde der Gründer-Bourgeoisie: Karol Borowiecki, Maks Baum und Moryc Welt wollen unbedingt und schnell reich werden, um das Leben mit vollen Zügen genießen zu können. Ihr Aufstieg, den sie zunehmend skrupellos verfolgen, scheint unaufhaltbar, bis ein reicher Fabrikant von der Affäre seiner Frau mit Karol erfährt und Rache nimmt.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman des Nobelpreisträgers Władysław Reymont malt Andrzej Wajda „in grellen Farben ein Grand-Guignol-Tableau des Manchester-Kapitalismus in Polen – marxistisch im gesellschaftsanalytischen Zugriff, barock-exzessiv in der Wahl der Stilmittel, die er hier ohne jede nostalgische Attitüde einsetzt, um im Elan einer rabiat aufsteigenden Ausbeuterkaste schon die Momente spätbürgerlicher Fäulnis hervortreten zu lassen.“ Klaus Kreimeier

Foto: © ZEBRA Film Studio

   

Do., 25.5.
um 18 Uhr

DER MANN AUS MARMOR
Człowiek z marmuru
, Polen 1976, 161 Min., poln. OmeU, Regie: Andrzej Wajda, mit: Krystyna Janda, Jerzy Radziwiłowicz, Tadeusz Łomnicki, Jacek Łomnicki, Michał Tarkowski u.a.

Die junge energische Filmstudentin Agnieszka hat für ihren Abschlussfilm ein Thema gewählt, das ihrem Fernsehredakteur nicht behagt. Sie möchte einen Film machen über einen vergessenen Helden der Arbeit der 50er Jahre, dessen Marmorstatue sie in einem der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Museumsdepot findet. Sie geht der Frage nach, wer der „Mann aus Marmor“ war, der Musterarbeiter und Rekordmaurer Mateusz Birkut, der 28.000 Ziegel in einer einzigen Schicht setzte, zum gefeierten Vorbild wurde und ein paar Jahre später wieder spurlos in der Versenkung verschwand.

Andrzej Wajdas Film ist ein kunstvolles Mosaik, wie CITIZEN KANE, dessen Strukturprinzip er sich aneignet und weiterführt, eine Untersuchung über das Verhältnis zwischen Realität und Fiktion, Wahrheit und Legende, Leben und Film. „DER MANN AUS MARMOR ist auf allen seinen Ebenen ein Meisterwerk: als politischer Schlüsselfilm, als leidenschaftliches Drama einer Suche, als Reflexion über das Kino. Er ist ein Meisterwerk, weil diese Filme im Film nicht beziehungslos nebeneinander existieren, sondern sich gegenseitig bedingen und durchdringen.“ Hans C. Blumenberg.

Foto: © ZEBRA Film Studio

   

Fr., 26.5.
um 20.30 Uhr

DIE MÄDCHEN VON WILKO
Panny z Wilka
, Polen 1978, 116 Min., poln. OmeU, Regie: Andrzej Wajda, mit: Daniel Olbrychski, Anna Seniuk, Christine Pascal, Maja Komorowska, Stanisława Celińska u.a.

Eine Landpartie Anfang der 1930er Jahre: Wiktor Ruben kehrt für kurze Zeit nach Wilko zurück. Es ist der Ort seiner Jugend, an dem er vor 15 Jahren zusammen mit den Schwestern eines benachbarten Gutes eine unbeschwerte Zeit des Glücks verbracht hatte. Das Leben hat ihn desillusioniert wie die Schwestern, die nun ein durchschnittliches Provinzleben führen. Umso mehr benützen sie die unerwartete Rückkehr Wiktors, um ihre Erinnerungen zu beschwören.

DIE MÄDCHEN VON WILKO ist Andrzej Wajdas liebevolle Hommage an einen Großen der modernen polnischen Literatur, Jarosław Iwaszkiewicz, dem der Film auch gewidmet ist. Die Adaption seiner Erzählung „Die Mädchen vom Wilkohof“ wird von einer warmen Melancholie getragen, der Trauer um Verlorenes – der Suche nach dem, was in einem Leben an nicht gelebter Erfahrung vergraben liegt. „Aus der – zuweilen an Proust erinnernden – Differenz zwischen damals und heute, aus der Fallhöhe zwischen Erinnerung und Gegenwart bezieht DIE MÄDCHEN VON WILKO seine Faszination.“ Klaus Eder

Foto: © ZEBRA Film Studio

   

Sa., 27.5.
um 20.30 Uhr

DER MANN AUS EISEN
Człowiek z żelaza
, Polen 1981, 147 Min., poln. OmeU, Regie: Andrzej Wajda, mit: Jerzy Radziwiłowicz, Krystyna Janda, Marian Opania, Irena Byrska, Wiesława Kosmalska u.a.

Polen zu Beginn der 80er Jahre, die Solidarność-Bewegung ist auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung mit den Machthabern: Ein Radioreporter erlebt den politischen Umschwung und recherchiert die Vorgeschichte in der Biografie eines Streikführers. DER MANN AUS EISEN knüpft an, wo DER MANN AUS MARMOR aufhörte. In dessen letzter Szene verbot ein Fernsehfunktionär der Studentin Agnieszka, ihren Diplomfilm über Mateusz Birkut, den gestürzten Helden der Arbeit, zu drehen. Maciek Tomczyk, Mateuszʹ Sohn, lebt nun mit Agnieszka, der ehemaligen Filmstudentin zusammen. Was Wajda im ersten Film nur andeutete, ist im zweiten Gewissheit: Birkut ist Opfer der Streikunruhen in Gdansk 1970 geworden. Tomczyk gibt sein Studium auf, wird Werftarbeiter wie sein Vater und ist später einer der Initiatoren des Streiks vom August 1980.

Andrzej Wajda gelang es, in seinem Film, der aus der Unmittelbarkeit der Situation entstand und parallel zu den politischen Ereignissen realisiert wurde, Realität und Fiktion nahtlos zu verbinden. So hat er etwa Tomczyk Züge aus der Biografie Lech Walesas gegeben, der dann selbst u.a. bei der Hochzeit von Agnieszka und Tomczyk als Trauzeuge auftritt. Die politisch engagierte Produktion mit ihrem leidenschaftlichen Plädoyer für Menschenrechte und Demokratie wurde 1981 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

Foto: © ZEBRA Film Studio

   

So., 28.5.
um 17.30 Uhr

KORCZAK
Polen/Deutschland/Großbritannien 1990, 117 Min., poln. OmU, Regie: Andrzej Wajda, mit: Wojciech Pszoniak, Ewa Dałkowska, Teresa Budzisz-Krzyżanowska, Marzena Trybała, Piotr Kozłowski u.a.

Während der deutschen Besatzung leitet „der Arzt von Beruf, Pädagoge aus Zufall, Schriftsteller aus Leidenschaft und Psychologe aus Notwendigkeit“ Janusz Korczak das jüdische Waisenhaus im Warschauer Ghetto. Trotz aller Widrigkeiten versucht er, bei den mehr als 200 Kindern, die ihm anvertraut sind, den Geist von Menschlichkeit und Toleranz aufrechtzuhalten. Als sie mit der Räumung des Ghettos Anfang August 1942 nach Treblinka und damit in den sicheren Tod deportiert werden, entscheidet Janusz Korczak sich, an der Seite „seiner Kinder“ zu bleiben.

Nach einem Drehbuch von Agnieszka Holland zeichnet Andrzej Wajdas Film in dokumentarischen Schwarzweiß-Bildern, um authentische Aufnahmen aus dem Warschauer Ghetto ergänzt, ein bewegendes Porträt des außergewöhnlichen Menschen, dessen Leben und Handeln zur Legende wurden.

Foto: © Ziegler Film

   
 

OmeU = Originalfassung mit englischen Untertiteln
OmU = Originalfassung mit dt. Untertiteln
dF = deutsche Fassung